Irgendwann, als ich ein Kind war, habe ich eine faszinierende Beobachtung gemacht:
Die Blüten des Klatschmohns sind rot. Aber wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt, ist der austretende Saft lila, fast schon blau.
An diese Faszination habe ich mich erinnert, als ich mit dem Pflanzenfärben angefangen habe. Und ich musste einfach wissen, welche Farbe man aus Mohnblüten gewinnen kann.
Ich habe also angefangen, Mohnblüten zu sammeln. Man findet diese vor allem am Rand von Feldern, ich habe aber auch im letzten Jahr Klatschmohnsaat gesammelt und in öffentliche Beete gestreut. Da ich sie selbst gepflanzt habe, habe ich auch absolut nichts dagegen, die Blüten zu entwenden. ;)
Die Mohnblüten habe ich trocknen lassen. Sie sind sehr leicht, vor allem im trockenen Zustand, und daher mehrt sich das Gewicht sehr langsam, selbst wenn man viele von ihnen sammelt. Am Ende hatte ich 5g an getrockneten Mohnblüten. Das Stück Wollstoff, für das ich mich daher entschieden habe, wiegt 12g.
Die Mohnblüten koche ich mit 750ml Wasser im kleinen Färbetopf auf, bis das Wasser dunkel ist. Die Blüten sind grau und etwas schleimig geworden.
Ich lasse das Ganze abkühlen, dann löffele ich die Blüten aus dem Wasser, und quetsche die Flüssigkeit heraus. Da die Blüten nur in Kontakt mit Wasser und Hitze waren, kann ich sie auf den Kompost werfen.
Mein Stoffstück mache ich nass, dann gebe ich es in das farbige Wasser.
Ich erwärme den Topf und bewege das Stoffstück immer wieder im Wasser, bis es bei Berührung heiß, aber nicht schmerzhaft ist. Das Stück ist so klein, dass es tatsächlich frei im Wasser schwimmen kann.
Auf niedrigster Flamme und mit Deckel auf dem Topf lasse ich das Ganze für 30 Minuten stehen.
Dann schalte ich den Herd aus, bewege den Stoff noch einmal im Wasser, und lasse ihn über Nacht weiter ziehen.
Am nächsten Morgen nehme ich den Stoff aus dem Topf, und schwenke ihn in einem Bad mit Wasser und Essig um die Farbe zu fixieren. Die Farbe war bisher ein sehr lila-stichiges Grau, doch jetzt bleibt eine Menge Rot im Essig-Wasser und der Stoff wird eher eifach nur Grau.
Ich wasche den Stoff unter fließendem, kaltem Wasser, bis keine Farbe mehr austritt. Dann wasche ihn noch einmal von Hand mit sensitiv-Waschmittel - ich brauche für das kleine Stück nur einen Tropfen - und lasse ihm an der Luft trocknen.
Da das Wasser im Färbetopf noch ziemlich dunkel ist, und mein Stoffstück sehr klein war, entscheide ich mich dazu, eine zweite Färbung im gleichen Bad zu machen.
Ich nehme diesmal ein etwas größeres Stück, das ich vom Zuschneiden des ersten Stückes übrig habe. Ich wiederhole den gleichen Prozess:
Ich erwärme den Stoff im Farbbad, lasse es über Nacht stehen, und wasche es am nächsten Morgen aus.
Obwohl die Farbe recht stark und waschecht ist, ist das Grau leider recht langweilig. Es ist keine hässliche Farbe; nur leider auch keine spannende. Ich freue mich allerdings, dass ich die zweite Färbung machen konnte. Die Farbe ist genau so stark wie die aus dem ersten Bad, was sehr interessant ist. Mit dem größeren Stoffstück habe ich genug Material, um Ärmel zu säumen, und farblich passende Knöpfe aus dem Rest zu machen.
Ich kann das Färben mit Mohnblüten nicht wirklich empfehlen. Genug Pflanzenmaterial zu sammeln, ist wohl sehr aufwendig für jeden, der kein Feld eigens zum Anbauen der Pflanzen hat.
Material für Färbung:
12g Stoff
5g getrocknete Mohnblüten
750ml Wasser
Essig
Zubehör:
Färbetopf
Putzhandschuhe
Kochlöffel
sanftes Waschmittel
Scan des Stoffes aus Bad 1:
Scan des Stoffes aus Bad 2: